Öl- und Tafelbilder
Die Tafelbilder sind die großen durchdachten und subtil bearbeiteten Werke Franz Graus. In ihnen zeigt sich die analytische Seite des Künstlers, die um die Form ringt. Grau zeigt in diesen ausgefeilten Bildern die näheste Verwandtschaft zu den Künstlern seiner Zeit, die Graus akademische Lehrer geprägt hat. Robert Delaunay hat den Stil zur Vollendung gebracht, der die Aufspaltung von Licht und Form in ein Puzzle gleichzeitig nebeneinander existierender Teilchen bedeutete. Gleichzeitig mit Delaunay war dies ein Anliegen vieler französischer Künstler, die ähnliche Grundgedanken umsetzten. Georges Braques und Ferdinand Leger, auch Picasso und Juan Gris bedienten sich der kubischen Formauflösung - freilich mit differenzierter Thematik und anderen gedanklichen Zielen.1912 schreibt Robert Delaunay für Paul Klees "Der Sturm" über das Licht in der Malerei: "Im Verlauf des Impressionismus wurde in der Malerei das Licht entdeckt, das aus der Tiefe der Empfindung erfasste Licht als Farbenorganismus aus komplementären Werten, aus zum Paar sich ergänzenden Maßen... Man gelangte so über das zufällig Naheliegende hinaus zu einer universalen Wirklichkeit von größter Tiefenwirkung. Das Auge...vermittelt nun zwischen dem Gehirn und der durch das Gleichzeitigkeits-Verhältnis von Teilung und Vereinigung charakterisierten Vitalität der Welt. Dabei müssen sich Auffassungskraft und Wahrnehmung vereinigen. Man muss sehen wollen." Dennoch war die Basis gleich. Die gehackten Stücke der ursprünglichen Form im Bild sollten Lichteinwirkung, zeitliche und auch örtliche Vielansichtigkeit vermitteln. Was als Experiment begann, bekam ein Eigenleben und so nutzte Franz Grau die schon bekannte Methode, um neue Inhalte zu transportieren. Dass sich die Landschaft in Licht auflösen lässt, haben spätestens die Pointelisten bis zur Vollendung ausprobiert. Dass sich auch die menschliche Figur auflösen lässt, um in ihrer Allansichtigkeit dargestellt werden zu können, haben ebenfalls die Franzosen der Jahrhundertwende und auch Picasso demonstriert. Doch Grau sah den Zweck der formellen Auflösung in der Frage nach dem Sinn der Welt. Was trennt, was verbindet Mensch und Kosmos? Stehen in Graus Bild "Mensch und Kosmos" (1977), die beteiligten Gruppen noch getrennt nebeneinander, so verschmelzen sie in der "Osternacht" (1979), lösen sich auf, wie im "Tanz der Puppe" oder im "Alten Tiger" (1980). Ein anderes Beispiel von zeitgleicher Synthese und Analyse sind Graus Venedig-Bilder (1963 und 1978). Hier dominiert die splitternde Farbe, das schillernde Licht, dessen Formwandlung Grau selbst einst "kristallinisch" nannte. Und gleichzeitig legt Grau in beiden Bildern ein spinnwebenfeines Netz von Architekturzeichnung über das Licht. Das Schwere und Harte - nämlich die architektonische Form - ist da, aber sie verschwindet dennoch unter dem Eindruck des allumfassenden Farbenspiels.