Kunst am Bau

Franz Grau hat für seine künstlerischen Arbeiten am Bau diverse Preise verliehen bekommen und damit wurde ganz selbstverständlich jene Sparte seines Schaffens ausgezeichnet, die eine Basis seiner künstlerischen Sicht bildete. 1955 schuf er eine Mosaizierung für die Ehrenhalle deutscher Kriegsopfer in ägypten. Dieser Auftrag verlangte profunde Kenntnis der christlichen Mythologie und Kunst und er gab Grau die Gelegenheit mit der symbolbehaftetsten Farbe der Kunst zu experimentieren: Gold. Der Goldgrund in der christlichen Kunst war besonders im Mittelalter das bildbestimmende Phänomen. Gold hatte nicht nur die Wertigkeit "reich", sondern glänzendes Gold vermittelte darüber hinaus das Erlebnis von Nicht-Natürlichkeit, Außerweltlichem. Der Glanz war nicht einzugrenzen, die Tiefe der Farbe war nicht auszuloten und so wurde der Goldgrund zum Symbol des grenzenlosen Nicht-Irdischen. Gold brauchte keine fremde Lichtquelle, sondern leuchtete aus sich heraus - eine Tatsache, die das Gold in Kombination mit Heiligengestalten geradezu forderte. Idealtypisch war das Bild des Christus am Kreuz auf Goldgrund. Die menschliche Gestalt flimmerte unscharf, löste sich in das Licht des Goldgrundes auf. Gold eröffnete neue Dimensionen, denn durch Gold verschwammen festgefügte Räume, lösten sich in unbestimmbare Weiten auf. Das Goldmosaik vermittelte darüber hinaus die Auflösung der Wand. Und zwar nicht nur symbolisch, sondern auch was die Lichtbrechung der Mosaik-Einzelteile anging. Franz Graus Idee einer mosaizierten Goldgrund-Wand scheint in ihm selbst ähnliche Empfindungen ausgelöst zu haben. Denn bezogen auf seine grundsätzliche Lebensfrage nach "Mensch und Kosmos" musste der Goldgrund die Durchdringung von Weite (Kosmos) und Figur (Mensch) ideal unterstützen. Das Mosaik als stilprägende Technik, als Ganzes, das sich aus der Vielfalt ergibt, scheint ebenfalls seiner Lebensfrage entgegen gekommen zu sein, denn immer wieder taucht diese Technik in seiner Kunst am Bau auf. Jedes Einzelteilchen dieser Welt fügt sich bei Grau im Gesamtbild des Kosmos zusammen. Das große Ganze des Kosmos ist nichts anderes als die Summe seiner Einzelteile. Dort wo Grau von der Mosaiktechnik abgerückt ist, hat er - wie beispielsweise bei den Memminger Kreuzwegstationen - das Formprinzip weitergeführt. Andeutungen von Räumen, Bodenbeläge und sogar Gewandfalten der Figuren bestehen aus zusammengesetzten geometrischen Flächen, wobei durch den Kontrast von greller Helligkeit und grauem Figurenton eine leicht diffuse Wirkung erzielt wird. Um den dreidimensionalen Effekt des Mosaiks zu erreichen, arbeitete Grau hier sogar mit Relieftechnik. Es ist nur eine natürliche Folge solcher überlegungen, dass Franz Grau sich auch für die nächste Stufe der kosmischen Weite interessierte. Was das Material Gold noch auf der geschlossenen Wand erschuf, das konnte das tatsächlich uneingeschränkte Licht in Verbindung mit Glasfenstern noch besser erreichen. So befasste sich Grau mit der Glastechnik. Glas als Material dürfte für ihn nur die untergeordnete Rolle gespielt haben. Glas war sehr wahrscheinlich für den Künstler die pure Farbe, die mit Hilfe des Lichts ein Bild entstehen ließ und es gleichzeitig diffus auflösen konnte.

Hier bekommen Sie einen kleinen Einblick in diese Arbeiten.